Semesterrückblick

„Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Matthäus 28, 20

Unser Wintersemester 2020/21

Ein weiteres Semester unter Sonderbedingungen geht dem Ende zu. Mittlerweile haben wir uns alle an das digitale Semester gewöhnt. Die Seminare und Vorlesungen über Zoom, MS Teams, Big Blue Button und wie sie alle heißen sind für uns nichts Neues. Dafür wird eine ganz andere Frage aber nie zu alt: Wann hört das alles auf? Wann können wir endlich aufatmen? Wann können wir uns im Haus wieder unbeschwert in die Arme fallen? Fragen, die plagen und das zurecht. Unser Haus war doch sonst immer so belebt! Besucher gingen ein und aus, jeder war willkommen und ist es auch immer noch. Nur leider bleibt unsere Tür zu und wir sehnen uns danach, dass sich das bald wieder ändert.

Aber vielleicht ist das alles auch nicht nur schlecht. Vielleicht entdeckt der ein oder andere in dieser Zeit, dass obwohl die Tür vorne in der Hauswand gerade zu bleiben muss, dass eine ganz andere Tür ganz neu aufgehen kann – die meines eigenen Herzens. Passend dazu lautet unsere neue Jahreslosung „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Ein Herz, das angefüllt ist mit Erbarmen, das von unserem geliebten und liebenden Vater kommt, ist ein Licht in dieser Welt, das nicht verborgen bleiben kann. Als wir dann im Spenergarten in der Kälte zitternd und mit gebührendem Abstand unseren Abschluss feierten musste ich an den Satz denken, den Jesus seinen Jüngern schon einprägte: „Ihr seid das Licht dieser Welt. Es kann die Stadt, die auf dem Berge liegt, nicht verborgen sein. […] So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ (Mt 5,14.16) Und ich bin dankbar für diese Worte, weil ich mir genau das wünsche. Wir wollen unsere Herzen für Gott unserem Vater öffnen, um ein Licht für andere Menschen zu sein. Als Menschen, als Christen, als WG und als Theologen. Das Spenerhaus soll leuchten in Mainz! 

Maßgeblich dafür ist unsere Beschäftigung mit der Bibel. Welche Autorität nimmt sie in unserem Leben ein? Und was heißt eigentlich Hermeneutik? An der Uni begegnet der Begriff doch eher selten. Und wenn er das tut, dann wird meist vorausgesetzt, dass man sich mit dem Begriff, bzw. vielmehr mit dem Thema, das dahintersteht, schon einmal auseinandergesetzt hat.  Mit diesen Fragen haben wir uns ein Semester lang gründlich beschäftigt. Fragen hält unseren Verstand wach. Fragen bewahrt uns davor, auf belegt geglaubten Aussagen liegen zu bleiben und nicht zu merken, dass der argumentative unter den eigenen Füßen zu wackeln beginnt. Fragen treibt mich vor allem immer wieder hin zu dem, was ich in dieser Sache allein und immer fragen kann: die Bibel.

Fragen stellen wir uns auch immer wieder im Haus. Wie kann das gemeinsame Leben aussehen? Was hilft uns dabei, uns im Haus wohlzufühlen? Gerade jetzt, wo wir mehr Zeit als sonst dort verbringen? Unsere Antwort: Die Kapelle bekommt einen neuen Anstrich! Wir wollen sie so gestalten, dass sie zum Gebet, zu Lobpreis und zum Verweilen einlädt. Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Ihr Gebet und Hilfe bei allem, wofür dieses Haus steht und arbeitet!

Unser Sommersemester 2020

Ein einzigartiges Semester geht vorüber…
Einzigartig, weil es so ein Semester in der Form wahrscheinlich noch nie gegeben hat.
Einzigartig, weil wir im Spenerhaus einzigartige Erfahrungen machen durften und manchmal auch mussten.
Einzigartig, weil jede Konstellation der Spenerhaus-Bewohner immer einzigartig und deshalb so bereichernd ist.

Mit einzigartigen Fällen haben wir uns auch thematisch beschäftigt, „Aus Geschichte lernen“ hieß das Motto der Spenerabende der letzten Monate. Wir haben uns einzigartige Gestalten und Perioden aus der Kirchengeschichte angeschaut und mal nachgefragt:
Was haben die eigentlich zu unserem Glauben zu sagen? Welche Neuentdeckungen haben sie gemacht? Was haben sie über Bord geworfen? Ein Blick in unsere Geschichte kann unsere Perspektive immens erweitern und schenkt uns die Fähigkeit, auch aktuelle Themen und Geschehnisse unterschiedlich und differenziert zu beleuchten.

Einzigartig waren auch ein Gemeinde-Einsatz als Live-Stream Gottesdienst oder ein Sommerfest mit Maske und Abstand. Wir sind dankbar für die Möglichkeiten, trotz der momentanen Situation die Arbeit im Spenerhaus, die dieses Haus so besonders macht, weiterzuführen. Dankbar für die Zusammenarbeit mit der Stadtmission Mainz, die uns ermöglichte den Gottesdienst mitzufeiern und zu gestalten. Und dankbar für unsere Nachbarn in der Paulusgemeinde, deren große Kirche und großer Garten es möglich machten Spenerabende und das Sommerfest gemeinsam zu verbringen.

Gott führt uns in Lernsituationen, die unbequem sein können, Erfindergeist fordern und Einschränkungen mit sich bringen, aber wir dürfen gewiss sein: Gerade da ist er an unserer Seite und hält uns fest an der Hand. „Ich bin bei euch alle Tage.“ – ALLE Tage.